Mit dem Hund durch die Kunstgeschichte

Erschienen in DIE PRESSE online, Almuth Spiegler, 04.08.2012

Mosbacher / Bild: (c) FABRY ClemensDie Salzburger Galerien bieten heuer ein solides, sehr abwechslungsreiches Rahmenprogramm für die Festspielgäste: Ein kleiner Rundgang von Baselitz bei Ropac, Jan Fabre bei Mauroner und Alois Mosbacher bei Altnöder.

Das Geniale am Salzburger „Kunstsommer“ ist, dass man ihn im Pocketformat mit sich tragen kann. Den überall aufliegenden Folder mit allen Museums- und Galerienausstellungen dürften die anderen Landeshauptstädte ruhig kopieren. So kann man perfekt seine Route planen und das Angebot vergleichen. Den besten Titel etwa liefert heuer Galerist Ruzicska: „Take off your silver spurs and help me pass the time“ nennt sich die von Künstlerkurator Gerold Miller zusammengestellte Gruppenausstellung, u. a. mit Brigitte Kowanz und Gerwald Rockenschaub.

Den tollsten Ort haben sich heuer die Mauroners gesichert, zum 40. Galeriejubiläum – oder waren doch die großen Formate schuld, die der schlaflose belgische Allrounder Jan Fabre geschickt hat? Jedenfalls hängen die grün schillernden Reliefs aus Käferflügeln (je 245.000 Euro) jetzt in einem Altstadthaus am Waagplatz, das Wlaschek gerade saniert. Integriert sind auch die Gewölbe einer ehemaligen Tanzschule im ersten Stock, die vor zehn Jahren schon als Ausstellungsort entdeckt wurden, als noch Gastgalerien wie die Wiener „Meyer Kainer“ oder die Berliner „Sprüth Magers“ ihre Sommerferien in Salzburg verbrachten. Lang ist’s her.

Gläserne Augen, negative Bilder. Heute beherrschen die Salzburger Platzhirsche die Szene. Mauroners mit Fabres kritischer Aufarbeitung der belgischen Kongo-Verbrechen sowie unheimlichen Vitrinen voller Augengeschwüre auf wächsernen Körperteilen. Vor allem an Thaddaeus Ropac kommt aber natürlich niemand vorbei, Österreichs internationaler Galeristensuperstar, der immer weiter expandiert (im Herbst wird in Paris ein zweiter Standort für Megaformate eröffnet). In Salzburg hat er einen solchen bereits, die Halle, die er gemeinsam mit dem Stammsitz diesmal mit der neuen Gemäldeserie von Georg Baselitz bespielt (je um die 450.000 Euro): Zur Irritation, die Bilder auf den Kopf zu stellen, kommt jetzt noch die Verkehrung der Farben. Der deutsche Malerstar stellt zum Teil bereits ältere Motive in ihrer Negativansicht dar. Was dazu führt, dass diese neue Serie wie eine Dark-Punk-Version der letzten wirkt. In „Re-mixed“ griff Baselitz Motive seiner Frühzeit auf und interpretierte sie erstaunlich locker neu. Mit „Negativ“ konnte er diesem Spätwerk zwar eine für manche Sammler vielleicht farblich, aber weniger inhaltlich reizvolle Facette hinzufügen.

Mit einem doppelten Rückgriff hat der österreichische Maler Alois Mosbacher seine neueste Serie abgesichert: Erst einmal erinnern die Großformate an seine herrlichen fiktiven Hundecharakterporträts von vor zehn Jahren. Den Vordergrund jeder Leinwand füllt jeweils ein prächtiges Hundsvieh. Im Hintergrund erkennt man, mit Kohle skizziert, Meisterwerke der älteren Kunstgeschichte – Brueghels „Turm von Babel“, Gericaults „Floß der Medusa“ u.a. Der Maler will sich in Hundereinkarnation mitten in die Malereigeschichte zurückkatapultiert haben, denn es gehe ihm mit allem, natürlich, nur um die Malerei an sich. Wer das nicht ganz versteht, kann sich einfach mit den hübschen Bildern trösten (je 18.700 Euro).

LINK:

DiePresse Online

Sitz Malerei, sitz!
Pedit zeigt Mosbacher in Kitzbühel